Werner Schaarmann

Spurensicherungen

„Der Gips ist insofern bei modernen Künstlern beliebt, als der Herstellungsprozess an sich völlig unprätentiös ist. Er läuft mechanisch ab, ohne daß die genes des Werks auf irgendeinen gestalterischen Eingriff angewiesen wäre. Eben dies mechanische Reproduzierbarkeit wird auch vom Archäologen geschätzt….. Eine weitere sowohl von Archäologen wie auch von zeitgenössischen Künstlern gesuchte Wirkung liegt in der Ungeschminktheit des Materials.
Hier werden keine falschen Reize durch Patina oder kostbare Substanzen vermittelt, sondern die Botschaft konzentriert sich auf die pure Form….

Für den Archäologen ist der Abguß Surrogat. Da man sich des Originals nicht frei bedienen kann, sorgt Abguß für die Möglichkeit einer lokalungebundenen Präsenz.

In Werner Schaarmann´s Abgüssen ist der vergänglich in der Zeit stehende Mensch das Original. Seine Abgüsse stehen für etwas,was war,aber nicht mehr ist. Auf eben diese Eigenschaften weist der von ihm gewählte Untertitel „Von der Anwesenheit des Abwesenden“ hin. Ebenso ließ sich der Titel auf die archäologischen Abgüsse übertragen. In beiden Fällen profitiert die Surrogatfunktion von dem Umstand, daß der Gips in wunderbarer Weise bis in das kleinste Detail hinein Eigenschaften des abgeformten Gegenstands festhält.

Mit der Ausstellung wird über den Werkstoff ein echter Dialog zwischen wissenschaftlicher und künstlerischer Verwendung des Gipses hergestellt und es ist kein Zufall,daß Werner Schaarmann nun schon zum dritten Male nach Berlin und Erlangen eine universitäre Abgußsammlung als Ausstellungsort wählt.“

Dr. Wilfred Geominy

anlässlich der Ausstellung “Von der Anwesenheit des Abwesenden“, Akademisches Kunstmuseum Bonn 2001

Spurensicherung als Kunstrichtung

Ihren Anfang in Deutschland nahm die „Spurensicherung“ als Kunstrichtung 1974 in einer Ausstellung in Hamburg. Unter diesem Namen wurde damals eine Gruppe von Künstlern zusammen gefasst, deren künstlerischen Bestrebungen eine Zeit lang parallel liefen. Es ging Menschen wie Nikolaus Lang, Christian Boltanski, Jean Le Gac, Nancy Graves, Paul-Armand Gette, Charles Simonds, dem Künstlerpaar Anne und Partrick Poirier und all den anderen um die Sichtbarmachung und Konservierung von Lebensspuren, um die Rekonstruktion und systematische Erfassung des Verschwindenden, um Beschreibung und Archivierung ephemerer Erscheinungen. Sie alle verband das Interesse an archäologischen und restauratorischen Methoden, die sie für ihre Kunst fruchtbar zu machen verstanden. Kurz: es ging um die Suche nach dem „authentischen“ Bild. ( Katja Behrens | TAZ )

Tokushima-Tageszeitung_Bando

Tokushima Tageszeitung

Photographisch dokumentierte Spurensuche und Spurensicherung im ehemaligen Kriegsgefangenenlager BANDO, Japan.

HEIMAT BANDO

Im Juni und Juli 2009 hat der Hamburger Photograph und Künstler Werner Schaarmann – auf Einladung des Oberbürgermeisters der Stadt Naruto / Japan – eine photographisch dokumentierte Spurensuche und Spurensicherung im ehemaligen Kriegsgefangenenlager BANDO aufgenommen.

DOKUMENTATION des Projektes öffnen

Im Oktober 2009 war mit „Heimat BANDO“ im Empfangsraum des Goethe-Instituts in Osaka ein Fotoausstellung von Werner Schaarmann zu sehen. Die Schau dokumentiert die Spurensuche des Hamburger Malers und Bildhauers Werner Schaarmann im ehemaligen japanischen Kriegsgefangenenlager BANDO in Naruto. In der Gegenüberstellung von neuen Aufnahmen und Archivbildern findet die außergewöhnliche, kulturelle Völkerverständigung ihren künstlerischen Ausdruck.

Vom 25.11.10 – 31.1.2011 war die Schau im Foyer des Hamburger Helms-Museums zu sehen.

Von April 1917 bis Dezember 1919 waren etwa 953 deutsche und österreich-ungarische Soldaten in Bando inhaftiert. Nahezu hundert Jahre sind vergangen, seit deutsche Kriegsgefangene, ihre japanischen Wachsoldaten und die um das Lager lebende japanische Bevölkerung eine Form der Koexistenz geschaffen haben, die in der Geschichte der Völker ihresgleichen sucht.

Den deutschen Soldaten aus Tsingtau ist es gelungen, ihre Kultur nicht als Bollwerk gegen den „Feind“ im Lager zu funktionalisieren, sondern sie im Gegenteil für alle Beteiligten offen sichtbar und hörbar werden zu lassen. Diese fremde Kultur muß den japanischen Offizieren und Mannschaften anfänglich recht seltsam erschienen sein. Von deutschem Brot bis hin zur Aufführung der 9.ten Symphonie Beethoven´s drang Ungewohntes aus dem Lager. Den deutschen Marinesoldaten und ihren Offizieren ist es aber durch ihre Fertigkeiten in vielen Bereichen des Handwerks und der Kunst gelungen, Neugierde, Interesse und endlich Sympathie für ihre kulturelle Sache zu wecken.

Beethovens „Symphonie Nr. 9“ wurde 1918 in Japan zum ersten Mal durchdas Lagerorchester aufgeführt. Der Austausch zwischen Deutschen und Japanern setzte sich auch nach Schließung des Lagers fort, da sich eine größere Anzahl von Deutschen nach ihrer Entlassung in Japan niederließ. Man kann davon ausgehen, daß sich bewusste wie unbewusste Dialoge in Originaldokumenten, handwerklichen Erzeugnissen etc. manifestiert haben, denen es aus heutiger Sicht nachzuforschen gilt.

Menschlichkeit, Respekt und Hilfsbereitschaft unter Kriegsgegnern auch in Zeiten höchster Anspannung

Was ist sichtbar geblieben ?
Gibt es noch lebendige, von den Gefangenen beeinflußte Zeichen deutsch – japanischer Kultur ?
Wie ist die Landschaft in und um BANDO beschaffen ?
Welche Blicke hatten und haben Deutsche auf Japaner in Japan und Japaner auf Deutsche in Japan?
Wie und wo fand menschliche Nähe zwischen den Protagonisten statt ? (Einige Gefangene wurden dauerhaft in Japan ansässig)
Wo und wie wurde „Heimat“ im Lager hergestellt und wie ist es gelungen diese „Heimat“ für Japaner zugänglich zu machen?

Die Ergebnisse der Spurensuche beleuchten, was möglich war und möglich bleibt. Alle Ergebnisse wurden laufend in einen Ausstellungsraum integriert und sind bis zum Abschluß der Spurensuche zu einer Photoinstallation zusammengewachsen.

Werner Schaarmann´s Arbeitshintergrund sind seine Beziehungen als Künstler zu Japan seit 1992 (Stipendien in Sapporo und Kyoto und Ausstellungsprojekte in Japan) und sein Arbeitsschwerpunkt, die künstlerisch-archäologische Spurensuche und Spurensicherung (siehe Kooperationen mit der FU Berlin, der Universität Erlangen- Nürnberg, der Universität Bonn, dem Auswanderermuseum BallinStadt Hamburg).

 BIOGRAPHIE
  • 1948 geboren
  • 1978 Preisträger der Evangelischen Akademie Tutzing (Zukunftswerkstatt)
  • 1986 Worpswede Stipendium
  • 1990 Preis für Fassadengestaltung / Wandmalerei Nürnberg
  • 1992 Japan Stipendium
  • 2001 Stipendium Kunsthaus Strodehne
  • 2001 Katalogförderung durch die Kulturbehörde der Stadt Hamburg
  • seit 2001 Projektförderungen durch die Kulturbehörde der Stadt Hamburg
  • 2003 Wilhelmsburger Kulturpreis
  • 2005 Stadtteilkulturpreis
    Hamburg-Wilhelmsburg für „[email protected]
    ( hier : Projekt „Schichten der Erinnerung“ – Grabungen im letzten erhaltenen Gebäude der Auswandererstadt Veddel/BallinStadt und Projekt „Passagiere-Passanten“ – Fotoreportage )

 Kurator für

  •  Deutsch-Japanische Kunstprojekte in Deutschland und Japan,
  •  Deutsch-Französische, Deutsch-Italienische, Deutsch-Englische und Deutsch-Amerikanische Kunstprojekte.
  •  Organisation der „Offenen Ateliers in Hamburg“ seit 2001 – 2011
 AUSSTELLUNGEN [ Auswahl ]

in nationalen und internationalen Galerien, Kunstvereinen und Museen seit 1978 Ausstellungen und Projekte seit 2000:

  • 2000 Künstlersymposium
    ( Europäische Union ) Küstrin, Polen
  • 2000 „Ostchor“, Installation in Sankt Sebald, Nürnberg
  • 2001 “Von der Anwesenheit des Abwesenden“, Akademisches Kunstmuseum Bonn
  • 2001 “Frauen sehen Männer sehen Frauen“, Hamburg
  • 2001 “roji“ ( “Pfade“ ), Goethe – Institut – Kansai, Kyoto, Japan
  • 2002 „Ressurectio“, Installationen in St.Katharinen und St. Marien , Lübeck
  • 2002 „Vier korrespondierende Räume“, Hamburg
  • 2003 „Paarlauf“ Kunsthaus Nürnberg
  • 2003 „Ostchor revisited“ Installation in der Sebalduskirche Nürnberg
  • 2003″ Licher – Kunstpreis für Fotografie “ , Auswahl der Jury,
    nationale Wanderausstellung in 2004
  • 2003 „Schichten der Erinnerung“
    Museum der Arbeit Hamburg / Museum für Hamburgische Geschichte / Pavillon Veddel
  • 2004 „Paarlauf“ Kunsthaus Hamburg
  • 2005 „13 : 13“
    Eine Ausstellung des Helms-Museums, Hamburg im Kunstverein Harburger Bahnhof ( Hamburger Süden )
  • 2005 Beijing International Art Biennale 2005 ( Peking, China )
  • 2008 | 4. Triennale der Photographie Hamburg
  • 2008
    III. International Art Biennale Beijing
    ( Peking, China )
    Juli und August 2008,
    National Museum Beijing
  • 2008
    Olympic Fine Arts
    Juli und August 2008,
    ( Beijing, Peking, China )
  • Juni und Juli 2009 | Naruto / Japan
    Heimat Kriegsgefangenenlager BANDO
  • Oktober 2009 | Fotoausstellung des Projektes BANDO im Goethe-Institut Japan in Osaka, Umeda Sky Building, Tower East 35F
  • Werner Schaarmann und Kollegen Oktober 2013
    Baosheng Museum China
    (Sponsored by the China Institute of Fine Arts)
  • CHUN ART MUSEUM, Shanghai / China
    24.10. – 6.11.2015
  • Prince of Songkla University / Galerie der Universität, Pattani, Thailand
    2016

Werner Schaarmanwikipedia ] [ netplanet ]


 

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