Monica Bohlmann

Anatomie & Mode

Einerseits scheinen sie von der lichten und warmen Welt der Frauen, von Themen wie Geburt, Weiblichkeit und Schönheit durchtränkt, was sich auch in anschmiegsamen, weichen Materialien und Tüchern wie Leinen, Wattevlies oder dem Verwenden schützenden Wachses spiegelt, andererseits führen sie durch das Aufdrucken starker digitaler Fotomotive inhaltlich montierte Irritationen ein, Schockmomente, die sich dem Auge manchmal erst auf den zweiten Moment vollständig in ihrer Bedeutung enthüllen.

Vielleicht ist es angesichts des „konfrontativen Ansatzes“ von Monica Bohlmann kein Zufall, dass das Sticken ihre nachhaltige Aufmerksamkeit gewonnen hat, dass die Künstlerin mit der Nadel zu malen beginnt, in die Fläche vordringt und aus dem Zusammen von Maschine und Hand ihre Arbeiten schafft: Früher war das Nähen eine domestizierende Tätigkeit für die Frau am heimischen Herd: Harmlos, weiblich, nützlich. Bohlmann bedient sich dieses tradierten Kontextes, um Themen, die die Welt der Frauen um so nachhaltiger aufbrechen, als überraschenden Sprengsatz einzuführen und den Horizont des weiblichen Gefängnisses zu transzendieren: In die sublime Eleganz der Modewelt und Modefotografie schreibt Bohlmann die Endlichkeit des menschlichen Körpers in seiner radikalsten Form ein, indem sie digital bearbeitete Modebilder mit Anatomie bestickt.

VIDEO | NDR 10-2011 | Hamburg Journal
| Bericht: Ralph Alexowitz | Kamera: Thomas Wolf | Schnitt: Christiane Herrmann

Knochen, Blutbahnen, Organe: der „anatomisch geöffnete Körper“ aus der Serie „Mädchen, Models, Ikonen“ mahnt so nicht nur an eine Pseudo-Wissenschaftlichkeit, sondern vor allem an das durch Schönheit und Jugend Verdrängte – nämlich den Tod, ist „Vanitas-Motiv“ und „Memento Mori“ zugleich. Dass, was die Perfektion der Modefotografie zu überdecken scheint, tritt durch das Aufsticken radikal in den Vordergrund: Die vermeintliche harmlose „Weiblichkeit“ und Konsumierbarkeit der Arbeiten von Monica Bohlmann wird so gebrochen und ironisch subvertiert.

Dr. Stefanie Maeck

Menschenbildnisse

Seit 2003 stehen Menschenbildnisse – vor allem das Thema Frau – im Mittelpunkt der Arbeit von Monica Bohlmann.

Im Spannungsfeld von Handarbeit und computergesteuerter Maschinenpräzision verklammert Bohlmann Vergangen-Antiquiertes und den neuesten Stand der technischen Moderne als Arbeitstechniken | Knochen, Blutbahnen, Organe: der „anatomisch geöffnete Körper trifft auf Schönheit und Jugend.

Mädchen, Models, Ikonen | 2011

 

Fadenfrauen | 2010

 

 BIOGRAPHIE
  • geboren 1941 in Hamburg
  • Abitur, Sprachenstudium
  • 1975-1980 Aufenthalt in Brasilien
  • Kunststudium
  • freischaffende Malerin
  • lebt und arbeitet in Hamburg-Harburg
 AUSSTELLUNGEN ( Auswahl )
  • 1998 Künstlerhaus Hamburg Weidenallee Künstlerbücher
  • 1999 Galerie Michael Georgi Hamburg
  • 2000 World Trade Center Bremen
  • 2002 Wassermühle Trittau „Garten der Lüste“
  • 2003 AKA Kunstverein
  • 2004 Burmeister und Zander-Böhm Hamburg „Ein deutsches Familienalbum 1941-1945“
  • 2005 Kunstverein Harburger Bahnhof 13:13, eine Ausstellung des Helms-Museums Hamburg Süd
  • 2005 Galerie Die Rampe Bielefeld „en vogue“
  • 2005 Implosion, Schauraum, Hamburg
  • 2006 Dialogische Einheit, Schauraum, Hamburg
  • 2006 Galerie die Meisterschueler, Berlin, Friedrichstrasse
  • 2006 Museumshof Valluhn
  • 2007 – 2015 Ausstellungsbeteiligungen Harburger Kulturtag ( u.a. Helms-Museum )
  • 2009 ARTPLACEMENT zu Gast im Jenisch Park, Hamburg
  • 2010 Fadenfrauen & Seemannsgarn, Schauraum, Hamburg
  • 2011 Stickobjekte ( Solo-Schau ) Galerie Renate Kammer, Hamburg
  • 9. Mai – 27. September 2015, Rijswijk Textil Biennale 2015 im Museum Rijswijk
  • 8. Oktober 2015, Nordische Kombination, SPD-Fraktion, Hamburger Rathaus
  • 29. Oktober – 8. November 2015, Wasserwege, Schauraum, Hamburg
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